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Script: Nelly Däs, Chronistin der Deutschen aus Rußland
zusammengestellt von StD Eckhard Scheld, Hessen 1994 - aktualisiert 2001 1. a. Biographische Anmerkungen
1944/45 begab sich die Familie auf den großen Treck. 350 000 Schwarzmeerdeutsche verließen beim Rückzug der deutschen Truppen 1943/44 ihre Wohngebiete und flüchteten vor der Roten Armee. Sie wurden zunächst im Warthegau angesiedelt. Nach der Potsdamer Konferenz wurden 250 000 von diesen Flüchtlingen nach Sibirien repatriiert, dazu gehörten auch Rußlanddeutsche, die sich bei Kriegsende in den westlichen Besatzungszonen befanden. Die brutale Besatzungspolitik des nationalsozialistischen Deutschland fiel nun furchtbar auf die dortigen Deutschen zurück und äußerte sich in zahllosen Racheakten, Rechtlosigkeit, Enteignung und Diskriminierung. Obwohl persönlich zumeist schuldlos, wurde an ihnen Vergeltung für den Naziterror geübt. Über ein halbes Jahr war die Familie Schmidt dann auf dem großen Treck in Richtung Westen. Die Familie wurde schließlich ganz auseinandergerissen, und mit 15 Jahren war Nelly allein auf der Flucht, die schließlich nach Schwäbisch Gmünd führte. Nelly Schmidt macht hier eine Schneiderlehre, heiratete später und lebt seitdem mit ihrem Mann in Waiblingen bei Stuttgart. Nachdem sie ihre beiden Kinder großgezogen hatte, fand sie auch die Zeit zum Schreiben. Ihren großen Erfolg verdankt sie nicht nur ihren Büchern, sondern auch der Vielzahl von Lesungen und Vorträgen über das Schicksal der Rußlanddeutschen an Schule, Bibliotheken, Kirchengemeinden, Altentagesstätten, bei den Landfrauen und beim Bund der Vertriebenen. Seit 1956 ist sie Mitglied der „Landsmannschaft der Deutschen aus Rußland und als Schöffin am Landgericht tätig. 1982 erhielt sie für ihren Einsatz für die Rußlanddeutschen das Bundesverdienstkreuz, außerdem die Goldene Ehrennadel der Landsmannschaft und des Landes Baden Württemberg. 1997 wurde ihr der Rußlanddeutsche Kulturpreis des Landes Baden-Württemberg verliehen, da sie sich durch ihre vielfältigen literarischen Arbeiten um die Erhaltung und Förderung des Kulturguts der Deutschen aus Rußland verdient gemacht hat. Für ihre Bücher wurde sie mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet: Dazu gehören der "La vache qui lit" (Der Züricher Kinderbuchpreis), Auswahlliste für den Deutschen Jugendbuchpreis und das Buch des Monat der JU BU CREW. 1. b. Veranstaltungshinweise Die große Zahl der Aussiedler macht es erforderlich, auch an den Schulen Aufklärungsarbeit zu leisten. Zu diesem Thema sind die Bücher von Nelly Däs besonders geeignet. Die Kosten übernimmt in vielen Fällen der Friedrich-Bödecker-Kreis (Adressen s. weiter unten).
Autobiographische Aufzeichnungen: Die Strapazen und Entbehrungen ihrer Flucht, aber auch abenteuerliche Eindrücke hat Nelly Däs in ihren ersten Büchern festgehalten. 1966 zeichnete sie ihre Erlebnisse in 10 DIN A4 Heften auf. Der Ostkundler Alfred Cammann aus Bremen, dem Frau Däs Ihre Hefte zugeschickt hatte, stellte den Kontakt zu dem bekannten Jugendbuchschriftsteller und Lektor Hans Georg Noack her. Innerhalb von 3 Tage gab dieser seine Zusage und erreichte es, daß der erste Teil ihrer Biographie "Wölfe und Sonnenblumen" 1969 im Signal Verlag erscheinen konnte. In einer Auflage von 5000 Expl. erschien der 2. Teil ihrer Biographie "Der Zug in die Freiheit" im renommierten Oetinger Verlag in Hamburg, der auch 1978 den ersten Teil ihrer Biographie wieder veröffentlichte. Leider sind diese vorzüglich gemachten Bände beim Verlag nach einer 11jährier Laufzeit vergriffen. Im Eigenverlag sind "Wölfe und Sonnenblumen" und "Der Zug in die Freiheit" als einbändige Sonderausgabe erschienen. werden). 1. Nelly Däs, Wölfe und Sonnenblumen In ihrem ersten Buch "Wölfe und Sonnenblumen" schildert sie das leidvolle Schicksal ihrer Familie. Da ihr Vater sich weigerte, der Kolchose beizutreten, um nicht auf dem eigenen Boden als Knecht zu arbeiten, wurde er schließlich nach Sibirien verschleppt. Nelly ahnt mit ihren Geschwistern Harry und Johann nicht, daß sie ihren Vater nie wieder sehen werden. Nelly berichtet, wie ihre Mutter mit unermüdlicher Energie für die Familie sorgt, die sich zunächst nach Andrenburg durch schlägt, nach Sibirien verschleppt werden soll und in letzter Minute vor dem Verladenwerden gerettet wird. Nun begann die langwierige Flucht mit dem Treck nach Westen, der die Familie zunächst bis in den Warthegau/Polen bringt. Lesetips: Der Weg in die Fremde, S. 5 bis 34 Das Bombardement, S. 121 bis 131 Auf dem Treck, S. 161 bis 177 Adressaten: Jugendliche ab 14 und Erwachsene 2. Nelly Däs, Der Zug in die Freiheit Dieses Buch ist ein Stück Zeitgeschichte, gesehen mit den Augen eines vierzehnjährigen Mädchens, das in diesen letzten Kriegsjahren erwachsen wird. Mit dem großen Treck gelangte die Familie nach Wronke im Warthegau (Polen), wo die Familie auseinandergerissen wird. Nelly muß in Wronke bleiben und ihr Landjahr absolvieren. Mit dem letzten Zug gelingt es ihr vor der heranrückenden Front Wronke zu verlassen und nach langer Irrfahrt ihre Familie wieder zu treffen. Mit Humor berichtet die Autorin von Ereignissen aus ihrem Leben, von den Menschen, denen sie begegnete und die ihr weiterhalfen, aber auch von anderen, die nur an sich dachten. Lesetips: Mitleid mit den Polen, S. 36 bis 40 Der Sprung vom 5 Meter Brett, S. 57 bis 63 Dramatische Flucht mit dem letzten Zug aus Wronke, S. 98 bis 106 1977 stand dieses Buch auf der Auswahlliste zum Deutschen Jugendbuchpreis Adressaten: Die autobiographischen Bücher bieten sich für Jugendliche ab 14 an und Erwachsene, da sie historisches Grundwissen erfordern. 3. Nelly Däs, Mit Timofej durch die Taiga In ihrem 3. Buch, das allein als dtv Taschenbuch eine Auflage von über 50 000 Exemplaren erreichte, erzählt die Autorin die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft. Eugen Werner, ein 11jähriger Rußlanddeutscher, dessen Eltern verschleppt sind, flieht 1943 aus dem Waisenhaus in Suntar, um seine deportierten Eltern zu suchen. Seine Eltern findet er nicht. Er wird zunächst von einer Babuschka aufgenommen. Mit ihrem Sohn Kolka bricht er zur Jagd in die Taiga auf. Als Kolka verunglückt, rettet sie Timofej, der alte Taigajäger, der seit Jahrzehnten zurückgezogen in dieser Wildnis in der Nähe der Lena lebt. Hier verbringt er einen Sommer und einen Winter, lernt in dieser unwirtlichen, von Sümpfen durchzogenen Gegend zu überleben. Aus dem Nachwort geht hervor, daß er bis zum Jahre 1968 in dieser sibirischen Wildnis bleibt. Eugen lebt heute mit seiner Familie in Waiblingen. Lesetips: Flucht aus dem Waisenhaus, S. 5-17 Timofejs Geschichte: Flucht vor den Häftlingsjägern, S. 75- 92, Rettung durch einen Vermessungstrupp, S. 134-154 Adressaten: Dieser Roman eignet sich vorzüglich für die 5/6. Klassen, da er vielfältige Ausgestaltungsmöglichkeiten für einen phantasievollen Umgang mit Literatur bietet. 4. Nelly Däs, Schicksalsjahre in Sibirien Dieses Buch hat das leidvolle Schicksal einer rußlanddeutschen Familie vom Überfall Deutschlands auf die SU bis zum Jahre 1963 danach zum Inhalt. In eindringlichen Kapiteln stellt die Autorin beispielhaft die schweren Schicksalsjahre der Rußlanddeutschen vor. Von der Deportation im Sommer 1941 bis zur Teilrehabilitierung im Jahre 1964. „Dem Leser wird auffallen, daß es in diesem Buch kein Feindbild gibt. Weder Anklage noch Haß noch irgendeine Schuldzuweisung greifen Platz." Gertrud Knopp-Rüb Kulturreferentin der Dobrudscher- und Bessarabiendeutschen. Lesetips: Ein Bürgermeister in Not, S. 15 bis 17 Auf Sargsuche, S. 63 bis 65 Der erste Brief vom Vater, S. 74 bis 79 Adressaten: Jugendliche ab 14 und Erwachsene
Nelly Däs hat ein kenntnisreiches Buch über Sibirien und die Menschen, die dort unter extremen Bedingungen leben müssen, geschrieben. Die Odyssee der Hauptfiguren des Romans berührt den Leser sehr. Die Autorin versucht mit diesem Buch Verständnis für die Menschen zu wecken, die in den letzten Jahren in zuvor nicht gekannter Zahl aus der Sowjetunion in die Bundesrepublik übersiedeln. Auch wenn die Haupthandlung zwischen 1962 und 1978 spielt, werden in diesem Buch Aussagen über Einzelschicksale getroffen, die auch heute noch Gültigkeit haben. Nadja, Tochter einer Ukrainerin und eines deutschen Soldaten, wird von Dimitrij, einem ehemaligen Zwangsarbeiter, der für sein Überleben in Nazideutschland in den Gulag geriet und später in die Verbannung geschickt wurde, großgezogen. Sie verliebt sich in den Moskauer Geologen Sergej und geht mit ihm nach Moskau. Später kehrt sie nach Sibirien zurück, bringt in der Wildnis ein Kind zu Welt, lernt schließlich den Rußlanddeutschen Eduard und entscheidet sich für die Ausreise. Auch in diesem Roman zeigt Nelly Däs, daß sie eine großartige Erzählerin ist. Sie hat einen offenen, mutigen Roman geschrieben, der tiefe Einblicke in sowjetische Verhältnisse gewährte, in einer Zeit, in der unter Gorbatschow unhaltbare Positionen im Zeichen von Glasnost und Perestroijka revidiert wurden. Die österreichische Filmemacherin Karin Brandauer, Frau des Schauspielers Klaus-Maria Brandauer, begann diesen Stoff für das ZDF zu verfilmen, starb aber überraschend bei den Dreharbeiten. Obwohl die Außenaufnahmen abgedreht sind, verzögert sich deshalb die Fertigstellung des Films, der im Dezember 1994 ausgestrahlt werden sollte. 1995 übernahm ein junger Regisseur, Thorsten Näter vom ZDF den Auftrag „Das Mädchen vom Fährhaus fertigzudrehen. Der Filmtitel: "Nadja - Heimkehr in die Fremde" wurde im September 1996 gesendet und hat in Deutschland große Beachtung gefunden. (Die Filme haben eine sehr gute Presse erhalten. Die Filme wurden auch in Osterreich, Schweiz, Niederlande und in Belgien ausgestrahlt ). Das Buch wurde in Dänisch übersetzt. Lesetips: Geburt in der Taiga, S. 41 bis 61 Ostarbeiter, S. 89 bis 93 Dieses Buch bietet sich für die 9. + 10. Klassen an. Um diesen Roman richtig verstehen zu können, sollte in Grundzügen die Geschichte der Rußlanddeutschen besprochen werden, wozu das Heft "Aussiedler" der "Informationen zur politischen Bildung" geeignete Informationen bietet.
Am Lebensschicksal von Aljoscha, einem Jungen aus Krivoj Rog (Ukraine) zeigt die Autorin unter welch bedrückenden Verhältnisse auch russische Kinder in der Nachkriegszeit aufwuchsen, sich durchschlugen, um ihre nackte Existenz kämpften. Schon das erste Kapitel fasziniert den Leser: Aljoscha hat in den Marktabfällen gesucht und einen angefaulten Krautkopf gefunden, den er nach Hause tragen wollte, wo keine Kopeke mehr vorhanden war, da auch der tyrannische, ewig betrunkene Vater der Familie keine Hilfe war. Er hatte aber die Rechnung ohne die Diebesbande um Petka und Kleinauge gemacht, die ihn erbarmungslos verfolgte, um ihm den Kohlkopf abzunehmen. Dieses Buch ist ein modernes Abenteuerbuch par excellence, da es die verheerenden politischen und sozialen Zustände in der verwüsteten Sowjetunion nach dem Zweiten Weltkrieg wahrheitsgetreu und sachlich fundiert für Jugendliche (und Erwachsene) erfahrbar macht, ohne allerdings auf Elemente der Spannung zu verzichten. Lesetips: Auf dem Markt, S. 7 bis 19, das einleitende Kapitel ist ungemein spannend und eignet sich gut als Vorlesetext für die Klassen 6 im Rahmen des Vorlesewettbewerbes. Der Held, S. 79 bis 85 Adressaten: Dieses Buch ist besonders für die 6.+ 7. Klasse aller Schulformen geeignet.
Mit diesem Roman legte die Autorin einen präzise recherchierten Entwicklungsroman vor, der in den Jahren 1926 - 1945 in Brasilien spielt. Nelly Däs ist ein farbiger Roman gelungen, der den erwachsenen Leser mit diesem fremden Land vertraut macht und faszinierende Einblicke in harte Siedlerschicksale gibt. Dieses Buch ist besonders beachtenswert, weil es in Brasilien spielt. Daß es dort auch Rußlanddeutsche gibt, darüber weiß man in Deutschland nur sehr wenig. Lesetips: Schlangenjagd: S. 150 bis 153 Besuch in der Mennonitensiedlung Gnadenthal: S. 168 bis 174 Brief Johanns über Greuel im bolschewistischem Rußland: S. 228 bis 237 Adressaten: Dieser Roman wendet sich eher an ein erwachsenes Publikum, ist aber auch für Schüler/innen der Sek. II geeignet. 8. Nelly Däs, Laßt die Jugend sprechen In diesem Buch stellte Nelly Däs exemplarische Erfahrungsberichte von jugendlichen Aussiedlern aus Rußland zusammen. Das Buch hat zunächst das Anliegen, diesen Jugendlichen ihre Identität zu geben. Es fordert geradezu dazu auf, andere rußlanddeutsche Jugendliche von ihrem Leben sprechen zu lassen, um damit auch den Jugendlichen und Erwachsenen, die in Deutschland aufgewachsen sind, das Schicksal dieser Volksgruppe nahezubringen und Verständnis für diese Menschen aufzubringen. Lesetips: Einzelne Erfahrungsberichte: Für Jugendliche eignen sich besonders die Beiträge von Olga Hilz, Irina Wegener und Marina Boon. Der Bericht von Waldemar Siebert hat eine geschichtliche Dimension. Er berichtet sehr eindrucksvoll über die Verschleppung seiner Familie nach Kasachstan im Jahre 1941. Unter die Haut geht die Geschichte von Andrej Messel, dessen Vater kurz vor der Aussiedlung durch einen Raubmord ums Leben kam. Olga Hilz, Wie neugeboren, S. 39 - 47 Irina Wegner, Ohne Abschied, S. 47 - 51 Marina Boon, Meine Erlebnisse in Rußland Adressaten: Für 12 -14 jährige Schüler Waldemar Siebert, Deutschland, meine neue Heimat Andrej Messel, Es kommt mir vor wie ein Alptraum Adressaten: Für Jugendliche und Erwachsene Verzeichnis der Sekundärliteratur (Auswahl) 1. Däs, Nelly, Wölfe und Sonnenblumen: Kossko, Nelly, Drei Bücher über Rußlanddeutsche. In: KULTURPOLITISCHE KORRESPONDENZ Nr. 356/1978 ag., Das Schicksal der Rußlanddeutschen. Ein Jugendbuch auch für Erwachsene. In: EßLINGER ZEITUNG vom 21.6.1978 Prof. Lichtenberger, Sigrid, Nelly Däs, Wölfe und Sonnenblumen 2. Nelly Däs, Der Zug in die Freiheit Montanus, Alfred, Ein Mädchen kommt aus Rußland. In: KULTURPOLITISCHE KORRESPONDENZ NR. 461 Arbeitskreis
Jugendbuch / Amt für Jugendarbeit der ev.-luth. Landeskirche, Däs, Nelly,
Der Zug in die Freiheit, 20.7.1978 3. Nelly Däs, Mit Timofej durch die Taiga Buchbesprechung, Nelly Däs. Mit Timofej durch die Taiga. In: VOLK AUF DEM WEG 2/1978 Verlagsinformation des GEORG-BITTER-VERLAGES zur Neuausgabe des vielgelesenen Abenteuerbuches (1990) 4. Nelly Däs, Schicksalsjahre in Sibirien Knopp-Rüb, Gertrud, In die Tundra vertrieben. In: KULTURPOLITISCHE KORRESPONDENZ vom 20.5.1989 5. Nelly Däs, Das Mädchen vom Fährhaus van Hoof, Dagmar, Leben im Zwiespalt. Deutsche in der Sowjetunion. Schicksal einer Frau. In: TAGESSPIEGEL (Berlin) vom 15.2.1989 JU-BU-CREW, Arbeitsgemeinschaft Göttingen, Buch des Monats: Das Mädchen vom Fährhaus, April 1989 Prof. Dr. Lichtenberger, Nelly Däs, Das Mädchen vom Fährhaus Scheld,
Eckhard, Rußlanddeutsche Erzählerin. In: KULTURPOLITISCHE KORRESPONDENZ Nr.
715/ 1989 Zur Verfilmung: Nadja, das Mädchen aus der Taiga. In: gong Nr. 37 vom 14.9.96 Näter, Thorsten, Reise ins Universum der eigenen Vorurteile. Thorsten Näter über seinen Film „Nadja - Heimkehr in die Fremde“. In: ZDF-Journal 9/1996 Das Mädchen vom Fährhaus 1988 von Nelly Däs, klärt uns über die Machenschaften der Sowjets auf. Wir erhalten Information, von der wie nichts ahnten oder von der wir nichts wußten. Alles was hinter dem eisernen Vorhang geschah, blieb für den Westen ein Geheimnis. So erging es auch dem Filmregisseur der die beide Filme "Nadja - Heimkehr in die Fremde", abdrehte. Thorsten Näter über seinen Film: "Als ich den Auftrag erhielt, diesen Filme zu machen, wurde mir schlagartig klar, daß ich nicht die Spur einer Ahnung von der Situation der Rußlanddeutschen hatte. Für mich waren das Leute, die ihr vermeintliches Deutschsein benutzen, um der mißlichen wirtschaftlichen Lage in ihrem Heimatland zu entgehen. Dazu gehört ein weiteres Vorurteil, nämlich, daß Sibirien, wo die Geschichte spielt, etwas Karges, Unwirkliches ist. Ein Ort, an den man verbannt wird. Die Strafe für soviel Ignoranz folgte auf dem Fuß. Ich traf in Omsk bei 40 Grad plus ein, völlig falsch gekleidet und völlig unvorbereitet darauf, durch eine der wundervollsten Landschaft der Welt gefahren und geführt zu werden....". Thorsten Näter hat mit vielen Rußlanddeutschen in Sibirien gesprochen, er fing an sie zu verstehen. "In der Folge lernte ich, daß das Deutschtum der Rußlanddeutschen keineswegs etwas war, das sie sich bewahrt hatten, um sich abzugrenzen, sondern, daß es ähnlich wie bei vielen anderen Volksgruppen - die Stalin durch gezielte Umsiedlungspolitik aufgesplittert hatte - ein mühsamer Prozeß der Wiederentdeckung war." Scheld, Eckhard, Nelly Däs - Chronistin der Rußlanddeutschen. Zu ihrem Film „Das Mädchen vom Fährhaus“. In: Kulturpolitische Korrespondenz 982 /1996 6. Nelly Däs, Aljoscha ~ ein Junge aus Krivoj Rog Prof. Dr. Lichtenberger, Sigrid (Universität des Saarlandes), Nelly Däs, Aljoscha... Rybak, Claudia, Nelly Däs - ein Porträt der Autorin aus Anlaß einer Neuerscheinung "Aljoscha..." In: STUTTGARTER ZEITUNG vom 17.12.1991 Scheld, Eckhard, Nelly Däs, Aljoscha... In: KULTURPOLITISCHE KORRESPONDENZ NR. 831 VOM 25.5.1992 7. Nelly Däs, Rußlanddeutsche Pioniere im Urwald. Fazenda hinter der Serra Scheld, Eckhard, Neuer Anfang - Rußlanddeutsche Siedler in Brasilien. In: (Auszüge) VOLK AUF DEM WEG 8. Nelly Däs (Hrsg.), Laßt die
Jugend sprechen. Rußlanddeutsche Jugendliche
berichten Zur Vorbereitung eignen sich folgende Materialien: a. Informationen zur politischen Bildung Nr. 222 "Aussiedler" (Neudruck 1991). In dieser Broschüre findet sich u.a. der ausgezeichnete Aufsatz von Dr. Alfred Eisfeld zur Geschichte der Rußlanddeutschen (S. 10 - 22). Hervorzuheben ist auch das umfangreiche Kartenmaterial zu den ehemaligen und heutigen Siedlungsgebieten in Osteuropa. Dieses Heft ist kostenlos über die Bundeszentrale für politische Bildung, Postfach 2325, 53 O13 Bonn zu beziehen. b. Ausgewählte Literatur zu den Rußlanddeutschen Bebilderter Katalog: Auf den Spuren einer Minderheit. Geschichte und Kultur der Deutschen in Rußland/UdSSR. Ausstellungskatalog, hrsg. von der Landsmannschaft der Rußlanddeutschen, Sigmaringen 1989 (Thorbecke Verlag) c. Gesamtdarstellungen: Deutsche in Rußland / UdSSR. Volk auf dem Weg, hrsg. von der Landsmannschaft der Deutschen aus Rußland, Stuttgart 1997. 5. Auflage Globus Spezial - Die Deutschen in der UdSSR - einst und jetzt, hrsg. von Bernd G. Längin, Bonn 1989, VDA-Verlag. (In diesem Band gibt es auch den Beitrag "Nur die Sehnsucht ist uns geblieben von Nelly Däs) Dietz, Barbara / Hilkes, Peter, Rußlanddeutsche: Unbekannte im Osten. Geschichte, Situation, Zukunftsperspektiven, München 1992 (Olzog-Verlag) Eisfeld, Alfred, Die Rußlanddeutschen, Hannover 1992 (Langen-Müller-Verlag) d.
Übergreifende Darstellung mit lokalem Bezug
Haupt, Walter (Hrsg.), Geschichte der Wolgadeutschen. Von der Auswanderung aus Hessen 1776 bis zur Heimkehr 1990. Preisgekrönte Wettbewerbsarbeit des Albert-Schweitzer-Gymnasiums Alsfeld, Alsfeld 1993. Dieses Buch
ist für hessische Leser besonders zu empfehlen. Auf insgesamt 238 Seiten im
Leineneinband wird in 4 Kapiteln ausführlich über die Auswanderung aus Hessen,
die Ansiedlung an der Wolga, die Zerstreuung etc. und schließlich die
Aussiedlung aus der SU und die Eingliederung in Deutschland berichtet. e. Autobiographie Hildebrandt, Georg, Wieso lebst du noch? Ein Deutscher im Gulag, Stuttgart 1989 (Verlag Dr. Bernhard Abend) „Wieso lebst Du noch?" - „Dieses Buch rüttelt vielleicht die Menschen im Westen auf, es ist der Holocaust des realen Sozialismus in der Sowjetunion.“ Nelly Däs f. Zukunft für Deutsche in Rußland Waffenschmidt,
Horst, Inseln der Hoffnung bauen. Zukunft für Rußland. Zukunft für uns,
Neuhausen-Stuttgart 1994 (Hänssler-Verlag) g.
Schulfunksendung Der
Hessische Rundfunk produzierte 1988 die Schulfunksendung
200 Jahre unterwegs - Rußlanddeutsche, die am 30.6.1988 ausgestrahlt
wurde (Nr. K 366). In dieser Sendung wurde auch aus den autobiographischen Büchern
der Autorin zitiert. Leider kann diese Sendung nicht mehr bei den Bildstellen
ausgeliehen werden. h.
Zum Thema "Zwangsarbeiter" bieten sich folgende Studien an: „Zwangsarbeiter
in Deutschland" Ulrich Herbert, Fremdarbeiter. Politik und Praxis des "Ausländereinsatzes" in der Kriegswirtschaft des Dritten Reiches, Berlin 1985 Grossmann, Wittich, Panzerrohre zu Pflugscharen - Zwangsarbeit, Wiederaufbau, Sozialisierung, Wetzlar 1939 - 1956, Marburg 1987 „Über die Behandlung der zurückgekehrten "Zwangsarbeiter" in der SU: Solschenizyn, Alexander, Jener Frühling (Die Rückkehr der russischen Kriegsgefangenen, in: Solschenizyn, Alexander, Der Archipel Gulag, Band 1, Bern und München 1974 Tolstoy, Nikolai, Die Verratenen von Jalta, München 1974 RIAS Berlin Kinderfunk : Am Ende des Zweiten Weltkrieges, im Winter 1944/45 zogen endlose Trecks von Ost nach West über die Landstraßen. Seit Stalingrad war die Rote Armee auf dem Vormarsch, die Niederlage Hitlers besiegelt. In einem solchen Treck, der von Polen gen Westen zog, befand sich auch die 15-jährige Nelly, getrennt von ihrer Familie, an der Seite eines alten Bauern. Für Nelly war das nicht die erste Erfahrung, einer ungewissen Zukunft ausgeliefert zu sein. Der lange Marsch über die Landstraßen, das Umherziehen von Ort zu Ort war ihr vertraut, und zwar zu einer Zeit, als man sich zum Beispiel in Deutschland davon noch gar keine Vorstellung machen konnte. ... Die Autorin Nelly Däs hat in diesem Buch eigene Erlebnisse aufgearbeitet, das Buch ist voller Bilder und Eindrücke, wie ein junger Mensch Geschichte er- und durchlebt. Ausschnitt aus: RIAS-Berlin, KinderfunkFriedrich - Bödecker - Kreis 1954 wurde in Hannover der „Friedrich-Bödecker-Kreis e. V. Hannover" von engagierten Autoren und Lehrern, Buchhändlern, Verlegern und Bibliothekaren gegründet. Benannt wurde der Kreis nach dem niedersächsischen Pädagogen Friedrich Bödecker. Ihr Ziel war, jugendkulturelle Bildungsarbeit auf dem Gebiet der Kinder- und Jugendliteratur zu leisten und durch Autorenlesungen, Ausstellungen, Beratungen und Informationen zu realisieren. Näheres siehe Autorenverzeichnis Nr. 7 (Stand 2001) Autoren lesen vor Schülern - Autoren sprechen mit Schülern
Nelly Däs berichtet über die Deutschen aus Rußland und den GUS Staaten, besonders wichtig, wo Schüler von Aussiedlern ansässig sind und Fragen auftauchen wie: Aussiedler - ein Problem? Was wollen diese Menschen in unserem Land? Haben sie ein Recht zu uns zukommen? Darüber informiert Nelly Däs an den Schulen mit ihren Büchern. "Kochbuch der Deutschen aus Rußland" Auszug aus dem Vorwort: Aus den verschiedensten deutschen Landschaften, hauptsächlich aus Schwaben, Baden und Hessen, sind von 1763 bis 1815 Menschen ausgewandert und haben ihre Kultur ins ferne Rußland mitgenommen. Zur Kultur gehören Sitten und Gebräuche, dazu gehört aber auch die Eßkultur. Ich könnte mir vorstellen, daß es damals nur vereinzelt Kochbücher gab, so daß die meisten Frauen ihre Rezepte handgeschrieben sammeln mußten. In den Kolonistendörfern wurden die Rezepte von der Mutter an die Tochter weitergegeben. Heute bringen die Aussiedler die mehr als 200 Jahre überlieferten Rezepte in ihre Urheimat zurück. Natürlich haben die Kolonistenfrauen in ihren Siedlungsgebieten auch den Ukrainern und Russen „in den Topf geschaut" und mit der Zeit Speisen von ihnen übernommen. In den ersten Jahren wurden die Speisen allerdings noch so zubereitet, wie man es in der alten Heimat gewohnt war. Eine große Veränderung hat die Verbannung nach Sibirien gebracht. In der Notzeit entstanden viele „Rezepte", außerdem haben die deutschen Frauen auch einige ganz hervorragende Rezepte von Usbeken, Tatschiken, Kirgiesiern usw. übernommen. In einigen Kochbüchern kann man diese Rezepte vereinzelt zwar auch schon finden, aber in dieser Form noch nicht. Dieses Kochbuch soll einerseits den alteingesessenen Rußlanddeutschen, die gleich nach dem Krieg nach Deutschland kamen, Rezepte aus ihrer ehemaligen Heimat nahebringen, andererseits den Neuankömmlingen auch die Rezepte ihrer neuen Heimat vermitteln. Wichtig war mir, daß sich in der Eßkultur unserer Landsleute auch ihre Lebensgeschichte spiegelt. Das heißt zum Beispiel, daß sich an den Rezepten die Verbannungsorte der Aussiedler ablesen lassen, deshalb sind die Rezepte ab und zu in kleine Geschichten eingebettet und nicht immer kochbuchüblich angeordnet. Meine Vorfahren sind 1811 aus Friedrichsfeld, Schwaben, ausgewandert, daher überwiegen die schwäbischen Rezepte. An dieser Stelle möchte ich mich bei allen Frauen bedanken, die beim Zustandekommen dieses Kochbuches mitgewirkt haben. Alle Rezepte wurden von verschiedenen Köchinnen ausprobiert und sollten unter dem Motto verwendet werden: Man nehme ...... so man hat! Allen, die dieses Kochbuch benutzen werden, wünsche ich viel Freude beim Ausprobieren der Rezepte und - gutes Gelingen!" Schwäbische Kässpätzle Für 4 Personen: 400 g Mehl, 4 Eier und etwas Wasser. 200 g Bauchspeck, 2 oder 3 Zwiebeln. 200 g geriebener Gouda. Mehl, Eier mit etwas Wasser in eine Schüssel geben und so lange rühren, bis der Teig glatt und geschmeidig ist. ½ Stunde ruhen lassen. Den Teig durch eine Spätzlepresse in 2 Liter kochendes Wasser drücken und aufkochen lassen. (Zwei EL Öl ins Wasser geben, damit die Spätzle nicht zusammenkleben). Bauchspeck würfeln, Zwiebeln fein schneiden und in einer Pfanne goldgelb rösten. Die Spätzle mit dem Schaumlöffel aus dem Wasser nehmen, in die Pfanne zum Bauchspeck und Zwiebeln geben. Goudakäse darüberstreuen, unterheben. Kurz schmoren lassen. Mit verschiedenen Salaten servieren. Einige Rezensionen ...Grundgedanken ihrer Geschichte: Gefahr und Freude, Tod und Verderben, Krieg und Frieden wohnen dicht beisammen; uns bleibt nichts anderes übrig, als uns mit beiden abzufinden - mit den Wölfen und den Sonnenblumen. In dem Schlußwort, das sie ans Ende ihrer Erzählung stellt, sagt die Autorin, daß sie hoffe, ihre Kinder möchten einmal die Kraft haben, vor den Wölfen zu bestehen. Sie wünsche aber, daß es in ihrem Leben mehr Sonnenblumen als Wölfe geben möge... Jugendschriftenausschuß im Gesamtverband Niedersachsen. ... Das Buch ist so wertvoll, weil es nichts übertreibt, weil es keine Schlagworte gebraucht, weil es die Menschen in ihrem guten oder bösen Wesen zeigt und nicht vereinfacht: die Deutschen sind gut - die Russen sind schlecht! Was uns aus diesem Buch anspricht, ist die wahre Menschlichkeit. Richard Baumgärtner Mitteilungsblatt der Deutschen aus Bessarabien. ... Autobiographische Kindheitserinnerungen aus den Jahren 1935-1945 in Rußland. Weniger die düsteren als die heiteren Erlebnisse werden berichtet, obwohl Vertreibung, Hunger und Kälte zu überstehen waren. Das Buch ist ohne Anklage und Pathos verfaßt und wird von jedem mit Gewinn gelesen werden... Fachstelle für das öffentliche Büchereiwesen. Der Regierungspräsident ... Wenn man danach fragt, welche Wirkungen von diesem Buch auf junge Leser ausgehen können und sollen, dann wird man antworten müssen: Es gibt Situationen auf der Welt, in denen Menschen unter unwürdigen Bedingungen existieren müssen, weil Herrschaftssystemen es von ihnen verlangen. Ungewollt setzt der Leser seine eigenen Lebensbedingungen dagegen und begreift, wie notwendig es ist, sich für menschenwürdigen Bedingungen einzusetzen. Hans Bödecker - Hannover Der Zug in die Freiheit Eine erschütterndes und zugleich spannendes Stück Zeitgeschichte. Die Autorin schildert den Kriegswinter 1944/45, den sie als 11jähriges Mädchen erlebte: Die letzte Etappe einer fast 10 Jahre dauernden Flucht aus Rußland. Diese begann, als im Zuge stalinistischer Säuberungsaktionen die ersten Rußlanddeutschen nach Sibirien verbannt wurden, so auch Nellys Vater, als er sich weigerte, als freier Bauer einer Kolchose beizutreten. In Polen soll die Familie - endlich heimgekehrt - ins großdeutsche Reich integriert werden. Doch der Fortgang des Krieges bringt neue Gefahren und Entbehrungen. Die Mutter wird mit Angehörigen ins Altreich abtransportiert, währen Nelly ihr Leben in einem Mädchenlager bleiben mußte. Da bricht der deutsche Widerstand zusammen, und nur im letzten Moment gelingt es Nelly vor den heranrückenden Russen aus Polen zu fliehen. Gerade in den letzten unbarmherzigen Kapiteln offenbart sich die Stärke des Buches: Menschliches Leid wird weder reißerisch noch sentimental dargestellt, sondern vor dem Hintergrund eines absurden politischen Geschehens; dabei wird der Grundton des Buches nicht verbittert, sondern bleibt optimistisch. Die historische und menschliche Dimension zusammen ergeben eine Aktualität, die so brennend ist wie damals. Zeitung: Wir Eltern - Schweiz 1976 Am Ende des Zweiten Weltkrieges, im Winter 1944/45 zogen endlose Trecks von Ost nach West über die Landstraßen. Seit Stalingrad war die Rote Armee auf dem Vormarsch, die Niederlage Hitlers besiegelt. In einem solchen Treck, der von Polen gen Westen zog, befand sich auch die 15-jährige Nelly, getrennt von ihrer Familie, an der Seite eines alten Bauern. Für Nelly war das nicht die erste Erfahrung, einer ungewissen Zukunft ausgeliefert zu sein. Der lange Marsch über die Landstraßen, das Umherziehen von Ort zu Ort war ihr vertraut, und zwar zu einer Zeit, als man sich zum Beispiel in Deutschland davon noch gar keine Vorstellung machen konnte. . . Die Autorin Nelly Däs hat in diesem Buch eigene Erlebnisse aufgearbeitet, das Buch ist voller Bilder und Eindrücke, wie ein junger Mensch Geschichte er- und durchlebt. Ausschnitt aus: RIAS-Berlin, KinderfunkWer "Wölfe und Sonnenblumen", das erste 1969 im Signal-Verlag erschienenen Erinnerungsbuch der gleichen Autorin kennt, wird feststellen, daß die Darstellung in der 3. Auflage im Sonderband glatter geworden ist, stärker zugeschnitten auf den jugendlichen Leser. Doch schränkt dieser Vergleich eine Empfehlung nicht ein; denn es bleibt ein Stück Zeitgeschichte, gesehen mit den Augen eines vierzehnjährigen Mädchens, überzeugend in der persönlichen Aussage und vor allem in der Darstellung zwischenmenschlicher Beziehungen. Süddeutsche Zeitung München ... Zeitgeschichte, die wir fast vergessen haben und die Kinder von heute kaum kennen, wird hier wieder lebendig. Wie sollen Kinder ein Verhältnis zur Geschichte haben, wenn ihnen die jüngste Vergangenheit, aus welchen Gründen auch immer, verschwiegen oder vorenthalten wird.... Dr. Ramseger, Münchner Merkur Junge Aussiedler anfällig für Abgleiten in das soziale Abseits. Prominente Schriftstellerin diskutiert mit Hauptschülern und Eltern in Neustadt an der Donau. Nelly Däs unterstrich, daß vor allem die Jungen kaum Deutschkenntnisse besitzen, sie seien somit anfällig für ein Abgleiten ins soziale Abseits. Die Vorstellungen und Erwartungen an die neue Heimat deckten sich nicht mit der Wirklichkeit. Sie würden in eine Medien- und Unterhaltungswelt des schrankenlosen Individualismus geworfen und erleben eine wirtschaftliche und soziale Situation, die ihnen fremd sei. Viele, so Nelly Däs, können mit der "Freiheit" nichts anfangen. Man dürfe aber den Jugendlichen nicht alleine die Schuld geben. Oft werden die Jugendlichen schlicht und einfach von ihren Eltern vergessen... Neustadt (dph). 24.02.1999 ...für die kleine Nelly bedeuten Vertreibung und Hunger, Kälte und Not eine Kette abenteuerlicher Eindrücke und erregender kleiner Freuden. Hier gibt es kein Pathos und keinen Haß, vielmehr erweisen sich die "Sonnenblumen" als Symbol der Freude stärker als die "Wölfe". Das ungewöhnliche Kindheitszeugnis sollte in die Hände vieler Leser ab 12 Jahren gelangen und wird auch von Erwachsenen mit Freude gelesen werden. Brigitte Eyssen - Buchanzeiger für öffentliche Büchereien Der Schlittschuhclown Kurztext: Fünf Jahre alt ist Helmut Neugebauer, als er 1941 mit seiner Mutter und der Großmutter nach Sibirien verbannt wird. In der Nähe von Barnaul findet die Familie in dem Dorf Bubnowa eine neue Bleibe. Helmut ist ein behindertes Kind. Er kam ohne Stimmbänder zur Welt und kann nicht sprechen. Er drückt jedoch seine Gefühle in Zeichnungen aus. Der Haß gegen die deutschen Faschisten ist in Bubnowa sehr groß. Dieser Haß wird von den Dorfkindern auf Helmut übertragen. Ganz besonders ein Junge namens Lowa, sein Vater ist im Krieg, sein Onkel gefallen, macht Helmut dafür verantwortlich. Helmut wird von einer Meute Kinder durch Bubnowa gehetzt wie ein wildes Tier. Er will dazugehören und deshalb gibt er nicht auf. Hilfe bekommt er von Natascha, deren Mann Jascha als Soldat an der Front steht. Jascha wird im Februar 1945 verwundet, verliert ein Bein und kommt heim. Zwischen Jascha und Helmut entsteht eine tiefe Freundschaft. Jascha, der ehemalige Schlittschuh-Schnelläufer der Sowjetunion, trainiert nun Helmut und will aus ihm einen großen Sportler machen. Helmut hat auf dem Eis aber nur Unsinn im Kopf, zur großen Freude der Dörfler. Sein Talent wird erkannt, und er wird schließlich Schlittschuhclown beim Zirkus. Nelly Däs ist es wiederum gelungen, ein Buch vorzulegen, das an Schulen zur Integration der rußlanddeutsche Aussiedlerkinder erheblich beiträgt. Fast spielerisch ist die Geschichte der Rußlanddeutschen im „Schlittschuhclown" verpackt und eignet sich als Lesetext für Schulen, auch bei Projekten gegen Ausländerfeindlichkeit. Anhand dieser Erzählung erfahren die Jugendlichen eine ganze Menge über jene Menschen, die heute zu uns kommen und hier auf großen Widerstand stoßen. Es werden Vorurteile abgebaut, die Aussiedler werden in ein ganz anderes Licht gerückt. Dies ist das vorrangige Anliegen von Nelly Däs: ein Miteinander und kein Gegeneinander. Gertrud Knopp-Rüb | ||||||||||||||||||||||||||||||||