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Kochbuch der Deutschen aus Rußland Dieses Kochbuch ist nicht nur irgendein Kochbuch, nein, es ist auch ein Geschichtenbuch. Beim Nachkochen erfährt man viel Unterhaltsames aus der Lebenswelt der Rußlanddeutschen, Sprüche, Gedichte, Witziges, Brauchtum ... und noch vieles mehr.
Demnächst erhältlich über Michael.Miller@ndsu.nodak.Edu Leseprobe: Eine wahre Begebenheit In Andrenburg lebte ein Mann mit 7 Kindern. Schmalhans war bei ihnen Küchenmeister. Eines Tages war er mit mehreren Männern auf dem Feld, um Mais zu brechen. In der Vesperpause setzte er sich etwas abseits, damit die Männer nicht sehen sollten, daß er nur eine kleine Salo-Schwarte dabei hatte. Sein Brot aß er trocken. Als er fertig war, schmierte er die Schwarte so um seinen Mund, daß er vor Fett triefte. ... Er zeigte seine fettige Schnute und rief aus: "Ach, wie habe ich gut gegessen!" ... Von diesem Tag an hatte er seinen Spitznamen: Speckschnütle. Zum Ausprobieren: Schmandkuchen Teig: 200 g Mehl, 60 g Schmalz, Prise Salz, 100 ml Milch, daraus einen glatten Mürbeteig kneten, halbe Stunde ruhen lassen Belag: 3 Eigelb, 2 Becher saure Sahne, Salz, Kümmel, etwas Schnittlauch, die Eigelbe mit der sauren Sahne gut verrühren und auf dem Boden verteilen, Kümmel und Schnittlauch darüber streuen, 25 bis 30 Minuten bei 180 Grad im Backofen backen. Guten Appetit! Däs, Nelly: Kochbuch
der Deutschen aus Rußland, Stuttgart 1996, 160 Seiten Daß die rußlanddeutsche Schriftstellerin Nelly Däs auch etwas vom Kochen versteht, ist nichts Neues, schon 1986 stellte sie für den Südfunk ein wolgadeutsches Festessen „Gschtremmte“ (S. 27) vor, worauf sie sehr viele Zuschriften erhielt. Über 1800 Mal (!) wurde das Rezept angefordert. Natürlich ist auch dieses Gericht in dem neuen Kochbuch enthalten, das vorzüglich gemacht ist. In mühseliger Kärrnerarbeit sammelte die Autorin die handschriftlich aufgezeichneten Rezepte, die in den Kolonistendörfern von der Mutter an die Tochter weitergegeben wurden und hier zum ersten Male publiziert vorliegen. Nicht nur traditionelle Gerichte der Rußlanddeutschen wurden hier veröffentlicht, sondern auch die Gerichte, die in den jeweiligen Gegenden von den Einheimischen übernommen wurden. So finden wir hier natürlich auch Rezepte für „roten Borschtscht“, eine ukrainische Spezialität, für einen kasachischen Lammtopf oder für ein Gericht
„Huhn in Tomaten", das aus Usbekistan stammt. Eindrucksvoll sind die verschiedenen Berichte, die zu diesen Gerichten abgedruckt wurden, so auch eine Erinnerung von Lilly Lämmle, die von der Herstellung einer Moos- Brennesselsuppe erzählt, die im Sommer 1941 die nach Sibirien deportierten rußlanddeutschen Familien vor dem Hungertod bewahrte. In dem Buch finden sich auch
einige Backrezepte und eine vorzügliche Anleitung zur Herstellung eines Nußlikörs. Beim Studium des Buches und Ausprobieren der Rezepte werden sie viele Anregungen bekommen, da das Buch nicht nur durch ansprechende Zeichnungen aufgelockert ist, sondern auch durch eingestreute Erzählungen, Humoresken und Erklärungen. Eine gute Idee war es sicher auch, im Anhang das Bücherangebot der rußlanddeutschen Landsmannschaft abzudrucken. Die Spiralbindung erlaubt es zudem, das gewünschte Rezept aufzuschlagen, ohne daß das Buch zuklappt. – Einen leichteren Zugang zur Geschichte
der Rußlanddeutschen gibt es nicht. Eckhard
Scheld / Juni 1996
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