Nelly Däs    Richard-Wagner-Str. 36    71332 Waiblingen    e-mail: Nelly.Daes@gmx.de

Hauptseite

Neuigkeiten

Gästebuch

Script

Bücher

Wölfe

Mädchen

Alle Spuren

Kochbuch

Clown

Pioniere

Verschiedenes

Bestellung

Geschichte

Rußlanddeutsche

Biographisches

Emilie

Kochbuch der Deutschen aus Rußland

Dieses Kochbuch ist nicht nur irgendein Kochbuch, nein, es ist auch ein Geschichtenbuch. Beim Nachkochen erfährt man viel Unterhaltsames aus der Lebenswelt der Rußlanddeutschen, Sprüche, Gedichte, Witziges, Brauchtum ... und noch vieles mehr.

Neu: 2003 ins Englische übersetzt  

Demnächst erhältlich über Michael.Miller@ndsu.nodak.Edu

Leseprobe: Eine wahre Begebenheit

In Andrenburg lebte ein Mann mit 7 Kindern. Schmalhans war bei ihnen Küchenmeister. Eines Tages war er mit mehreren Männern auf dem Feld, um Mais zu brechen. In der Vesperpause setzte er sich etwas abseits, damit die Männer nicht sehen sollten, daß er nur eine kleine Salo-Schwarte dabei hatte. Sein Brot aß er trocken. Als er fertig war, schmierte er die Schwarte so um seinen Mund, daß er vor Fett triefte. ... Er zeigte seine fettige Schnute und rief aus: "Ach, wie habe ich gut gegessen!" ... Von diesem Tag an hatte er seinen Spitznamen: Speckschnütle.

Zum Ausprobieren: Schmandkuchen

Teig: 200 g Mehl, 60 g Schmalz, Prise Salz, 100 ml Milch, daraus einen glatten Mürbeteig kneten, halbe Stunde ruhen lassen

Belag: 3 Eigelb, 2 Becher saure Sahne, Salz, Kümmel, etwas Schnittlauch, die Eigelbe mit der sauren Sahne gut verrühren und auf dem Boden verteilen, Kümmel und Schnittlauch darüber streuen, 25 bis 30 Minuten bei 180 Grad im Backofen backen.

Guten Appetit!

Däs, Nelly: Kochbuch der Deutschen

aus Rußland, Stuttgart 1996, 160 Seiten

Daß die rußlanddeutsche Schriftstellerin

Nelly Däs auch etwas vom Kochen versteht,

ist nichts Neues, schon 1986 stellte sie

für den Südfunk ein wolgadeutsches

Festessen „Gschtremmte“ (S. 27) vor,

worauf sie sehr viele Zuschriften erhielt.

Über 1800 Mal (!) wurde das Rezept

angefordert. Natürlich ist auch dieses Gericht

in dem neuen Kochbuch enthalten, das

vorzüglich gemacht ist. In mühseliger

Kärrnerarbeit sammelte die Autorin die

handschriftlich aufgezeichneten Rezepte,

die in den Kolonistendörfern von der Mutter

an die Tochter weitergegeben wurden

und hier zum ersten Male publiziert vorliegen.

Nicht nur traditionelle Gerichte der

Rußlanddeutschen wurden hier veröffentlicht,

sondern auch die Gerichte, die in den

jeweiligen Gegenden von den Einheimischen

übernommen wurden. So finden wir hier

natürlich auch Rezepte für „roten

Borschtscht“, eine ukrainische Spezialität,

für einen kasachischen Lammtopf oder

für ein Gericht  „Huhn in Tomaten",

das aus Usbekistan stammt. Eindrucksvoll

sind die verschiedenen Berichte, die zu

diesen Gerichten abgedruckt wurden, so

auch eine Erinnerung von Lilly Lämmle,

die von der Herstellung einer Moos-

Brennesselsuppe erzählt, die im Sommer

1941 die nach Sibirien deportierten

rußlanddeutschen Familien vor dem

Hungertod bewahrte. In dem Buch finden sich auch einige Backrezepte und eine vorzügliche

Anleitung zur Herstellung eines Nußlikörs.

Beim Studium des Buches und Ausprobieren

der Rezepte werden sie viele Anregungen

bekommen, da das Buch nicht nur durch

ansprechende Zeichnungen aufgelockert ist,

sondern auch durch eingestreute

Erzählungen, Humoresken und Erklärungen.

Eine gute Idee war es sicher auch, im

Anhang das Bücherangebot der

rußlanddeutschen Landsmannschaft

abzudrucken. Die Spiralbindung erlaubt

es zudem, das gewünschte Rezept

aufzuschlagen, ohne daß das Buch zuklappt. –

Einen leichteren Zugang zur Geschichte

der Rußlanddeutschen gibt es nicht.

 

Eckhard Scheld / Juni 1996